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Dramatik

"Grenzverletzer" von Claus Irmscher

Drama in 5 Aufzügen über die Widersprüche zwischen den Interessen und Wünschen einer Gruppe Einwohner einer grenznahen Gemeinde im Eichsfeld zu ihren Verwandten jenseits der Grenze in der Bundesrepublik in Konfrontation mit den Forderungen von Partei und Regierung der DDR nach Abschottung aus ideologischen Gründen und der Verhinderung jeglicher Kontakte mit militärischen Mitteln.

Das Stück aus den siebziger Jahren, überarbeitet 2021, ist unveröffentlicht und kann bei Interesse eines Theaters als Text im pdf-Format in der Absicht einer Aufführung zur Verfügung gestellt werden. Für 12 Schauspieler: 11 m, 4 w.

1. Aufzug, 1. Szene (Dorfstraße im 500-m-Schutzstreifen mit Wohnhaus und Gaststätte. Grenzer Unteroffizier Steffen und Gefreiter Jochen auf
Streife. Freitag Nachmittag).


JOCHEN: Was haben wir eigentlich genau auf Streife zu tun, Genosse Unteroffizier?

STEFFEN: Immer schön die Augen aufhalten, Genosse Gefreiter.
JOCHEN: Am helllichten Tag kommt bestimmt kein Gegner gelaufen. Hier im Dorf kennt doch jeder jeden.
STEFFEN: Das ist richtig. Man weiß bloß nie, wer ein Feind sein kann.
JOCHEN: Wie? Auch ein Einheimischer?
STEFFEN: Wer weiß?
JOCHEN: Uns wurde erzählt, dass wir verhindern sollen, dass Faschisten und Saboteure aus dem Westen bei uns eindringen und unser friedliches Aufbauwerk stören könnten.
STEFFEN: Das stimmt.
JOCHEN: Eben haben Sie gesagt, dass auch Einheimische Feinde sein können. Wie sollen wir denn verhindern, dass die uns stören?
STEFFEN: Das ist die Schwierigkeit.
JOCHEN: Woran könnte man diese Leute erkennen? Man kann ja nicht in die Köpfe hineingucken.
STEFFEN: Zum Beispiel daran, dass sie schlecht arbeiten oder etwas kaputtmachen wollen, das uns allen nützt.
JOCHEN: Dazu müsste man sie beobachten. Wie denn? Wann denn?
STEFFEN: Es verlangt ja keiner. Mach dir nicht zu viele Gedanken! Ich will mal nachsehn, ob meine Verlobte zu Hause ist. (er klopft an ein Fenster, Regina schaut heraus). Hallo, Liebes! Wie geht´s? Was machst du gerade?
REGINA: Nichts besonderes, Strümpfe stopfen.
STEFFEN: Lohnt sich das heutzutage noch? Kauf dir neue!
REGINA: So dicke haben wir´s nicht. Mir haben die Großeltern beigebracht: Immer schön bescheiden bleiben. Gibst du mir das Geld dafür?
STEFFEN: Alles, was du willst, Liebes.
REGINA: Trotzdem stopfe ich die Strümpfe fertig: Wann sehen wir uns wieder? Morgen zu meinem Namenstag?.......


Hörspiele

"Bitterer Wein" von Claus Irmscher

Das Hörspiel  beschreibt  die Entdeckung von Ungarndeutschen im Komitat Baranya in Ungarn, die Freundschaft mit einer Familie, denen nach 1944 schweres Unrecht widerfahren ist, den Versuch, zu spätem Recht zu kommen und dessen Scheitern.

Espero-Verlag Ziegenrück 2004, ISBN 978-3-9808325-6-4, 54 Seiten. Für 11Sprecher, 7m, 4 w. Druck auf Bestellung einer Medienanstalt.

Der Text erhielt die Auszeichnung mit dem Kunstpreis für Literatur 2004 des BdV Thüringen.

Leseprobe:

"Luise: Sag mal, Dickerchen, findest du nicht auch, dass der Badebetrieb hier in Harkány mit der Zeit ziemlich langweilig wird? Ewig das gleiche klare Wasser, die gleiche knallige Sonne und jeden Tag derselbe Gammel im Liegestuhl! Diese fetten Rheinländer mit ihren Schmerbäuchen und ihrer Protzerei, die damit angeben, was sie alles besitzen, gehen mir auf den Geist. Was interessiert es mich, wie viel ihre Eigentumswohnung gekostet hat oder ihre Villa oder wie oft sie auf Mallorca waren? Bei denen dreht sich doch alles nur ums Haben-haben-haben! Immer nur Ramsch-ramsch! Die können einem leid tun, diese armen Geister.
Heinz: Bei Letztgenannten will ich dir nicht widersprechen, vor allem, weil sie hier in Ungarn ganz billig absahnen.
Luise: Mein Rheumaschmerz ist verschwunden und die Gelenke funktionieren wieder einwandfrei. Dein Bronchialkatarrh ist auch ausgeheilt. Die Kur hat doch angeschlagen. ....Lass uns ein bisschen umherfahren! Ungarn ist zwar nicht Italien, aber einiges haben die Magyaren doch zu bieten.
Heinz: Zum Beispiel? ...........


"Requiem für eine Sozialistin" von Claus Irmscher

Der Text in Form einer szenischen Erzählung beschreibt die Kämpfe einer Gewerkschafterin in einer Spinnerei in Eisenach, die sowohl in der Weimarer Zeit und unter dem Nationalsozialismus gegen Klassenjustiz und Standesdünkel gekämpft hat als auch später in der DDR gegen Rechthaberei, Vetternwirtschaft und kriminelle Machenschaften, immer im Interesse der arbeitenden Menschen.                               Für 3 Personen: 2 m, 1 w.

Espero-Verlag Ziegenrück 2017, ISBN 978-3-941892-32-3, 51 Seiten, lieferbar 11,00 €.

Leseprobe:
Erzähler heute: Ich bin am Ziel in Eisenach. Hier in der Katharinenstraße werde ich mein Fahrzeug abstellen. Da ist eine Parklücke. So. Geschafft. Jetzt frag ich mal den Herrn da, neben der Gaststätte "Edelweiß", der sein Auto in die Garage fährt, ob er weiß, wo meine gute Bekannte Erika Duffek jetzt wohnt. Sie ist ja eine stadtbekannte Persönlichkeit. Vor vier Jahren, als ich sie besuchen wollte, hatte sie gerade selber Gäste und erzählte mir nur kurz, dass das Haus verkauft wird, in dem sie Jahrzehnte Mieter waren. Heute habe ich mehr Zeit mitgebracht und vor allem das Manuskript, das ich damals mit ihrer Hilfe über sie geschrieben habe.
   "In das Eckhaus Kasseler Straße Ecke Stedtfelder war sie gezogen? Was? Was sagen Sie da? Sie lebt nicht mehr? Herzinfarkt, vor zwei Jahren? Ach nein! Das erschüttert mich! Wie konnte sie nur sterben, Erika Duffek, die Seele der Westvorstadt? Ihr Mann wohnt noch dort? So. Na, danke für die Auskunft!"
   Das hab ich nun davon, ich alter Esel! Immer wieder hatte ich es mir vorgenommen, seit ich ans andere Ende von Thüringen gezogen bin: Sobald ich in der Stadt meiner alten Wirkungsstätte sein werde, will ich die Erika besuchen. Nun bin ich zu spät gekommen. Für wichtige Menschen ist die Zeit immer zu knapp. Für sie selber sowieso. Sie war ja ihr Leben lang nur für andere da.......


"Freund Sandor" (sprich: Schandor) von Claus Irmscher

Im kurzen Text von 30 Seiten wird anlässlich des Kaufs eines Ferienhauses in Ungarn durch deutsche Gäste exemplarisch belegt, wie ein Freund mit rassistischen Vorbehalten seine Meinung radikal ändern muss. Für 3 Personen: 2 m, 1 w.

Espero-Verlag Ziegenrück 2005, Druck auf Bestellung einer Medienanstalt.

Leseprobe: Personen: Bruno (Er), Mathilde (Sie), Lothar (L).
1
Er
Mathilde!
Sie
Was ist, Bruno?
Er
Komm, mach Feierabend im Garten! Lothar hat angerufen und will vorbeikommen. Das Unkraut wartet auch bis morgen.
Sie
Gut. Ich bring noch den Abfalleimer zum Kompost. Du kannst ja die Geräte wegräumen.
Er
Mach ich doch, meistens.
Sie
Alter Ordnungsfanatiker!
Er
Am sauberen Werkzeug erkennt man den guten Arbeiter.
Sie
An unserm Ferienbungalow sind wir höchstens Gärtner.
Er
Das ist kein Grund, die Geräte stehen zu lassen.

Sie
Die stiehlt hier niemand. Die Ungarn sind arm, aber ehrlich. Und die deutschen Touristen verirren sich nicht aufs ungarische Dorf. Die brauchen keine Hacken, sondern wollen sich nur amüsieren.
Er
Du sagst es. Unsere Deutschen bleiben unter sich. Sie können sich nicht leiden und wollen sich auch nicht voneinander trennen. Ihre Haßliebe legt ihnen Fesseln an und sie fühlen sich noch wohl dabei. Arme Irre!
Sie
Was sollten sie auch zwischen Einheimischen? Sie verstehen sie nicht und allein würden sie sich langweilen. Sie sind ja im Urlaub und nicht auf der Arbeit.
Er  
Wir dagegen langweilen uns zu Hause im Vorruhestand und erholen uns dafür im Ausland durch Bewegung. Hör endlich auf! Ich kümmere mich ums Abendbrot.
Sie
Ich muß mir noch die Hände waschen. Drehst du mir einen Eimer Wasser aus dem Brunnen?
Er  
Klar leiere ich dir das Wasser hoch. Und wenn die Rolle knarrt und der Zinkeimer scheppert. Lothar soll warten.
Sie
Wann will er denn da sein? Mein Handtuch fehlt mir.
Er
Er ist unterwegs und kann jeden Moment hupen. Wozu brauchst du ein Handtuch, wenn der Wind weht?
Sie
Man muß ja das Landleben nicht übertreiben.
Er
Ich wollte heute abend die neuesten Fotos einkleben. Morgen sind wir ja bei Sándor zum Essen eingeladen.
Sie
Ich freu mich. Gibt es einen besonderen Anlass?
Er  
Er hat sich zwei Ferkel angeschafft. Das möchte er mit uns feiern.
Sie
Auf die Idee käm in Deutschland niemand.
Er
Er will ein Huhn schlachten und davon Kesselgulasch überm Lagerfeuer anrichten, mit viel Paprika.
Sie
Oje! Da steht mir jetzt schon der Mund offen. Wir nehmen ihnen die Anziehsachen mit, die ich für seine Frau und die Kinder eingepackt habe.
Er  
Das können unsere Freunde gut gebrauchen. Horch!
Die Glocken der Dorfkirche läuten zum Abendgottesdienst.....